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"ESCAPE FROM REALITY" - Solo Show - 2024

Kleine Galerie Bad Waldsee 21.1.-25.2.2024

Rede zur Ausstellung von Thomas Warndorf

Über Bedrohung und Hoffnung

Über Eva Kunzes Werk ist zu lesen, dass ihr einzigartiger Stil sich deutlich in der Leidenschaft und Lebendigkeit zeige, die jedes ihrer Werke durchdringt. Ich füge meinen Eindruck hinzu: hier ist eine Malerin am Werk, deren Arbeiten seismographisch die Erschütterungen registrieren, die uns von allen Seiten bedrohen. Zugleich aber entnehme ich den Titeln ihrer Arbeiten, dass Eva Kunze keinesfalls nur von hoffnungslosen Zuständen berichtet, sondern in ihren Träumen auch der Hoffnung Raum lässt. „Escape From Reality“, dieser Titel mag von Pessimismus zeugen, aber auch vom Aufbruch in neue bessere Welten. Dennoch: in den Bildern schwebt Betroffenheit, eine Erzählung von den Leiden, aber auch von den Zwängen, in einer Welt, in einer Gesellschaft zu leben, in der man in Situationen gedrängt wird, die einen empören, niederschmettern, einsam machen und von Fluchten träumen lassen. Eva Kunzes Arbeiten, das sei „eine Symphonie neuer Ausdrucksformen“. So ist es in einem Text über ihr Werk zu lesen.

Eva Kunze erzählt von ihrer eigenen aufgezwungenen Zurückgezogenheit während der Corona-Pandemie. In dieser Zeit hat sie begonnen „Escape From Reality“ als Generalüberschrift für eine neue Serie von Arbeiten mit ihren Bildern zu füllen. Das serielle Arbeiten ist nicht neu. Sie hat sich zuvor in anderen Serien mit Themen wie „Identity“ oder „Evolution der Formen“ beschäftigt. Sie hat auch unterschiedliche Stile verwendet. Es gab Serien, die in völliger Abstraktion gehalten wurden, es gab andere mit einer eher figurativen Malweise. Eine fotorealistische Malerei, erzählt sie, sei eher nicht ihr Ding, sie löse die Gegenständlichkeit lieber auf und vermittle so eine Freiheit des Betrachtens, die sich nicht an fotografischer Genauigkeit orientiert.

Eva Kunze nutzt den Stil, der der Vermittlung ihrer Thematiken so nah wie möglich kommt. Jetzt, in dieser Schaffensphase, kann man von einer figurativen Abstraktion sprechen, die nicht gänzlich verfremdet, aber auch nicht gänzlich ins Gegenständliche gerät. Eine Zwischenwelt, die dem Titel der Ausstellung ganz und
gar gerecht wird, eine Zwischenwelt, Reales und Geträumtes ineinander fließen zu lassen, in einer ganz eigentümlichen Reduzierung der Formen und in einer raumlosen Umgebung. So eingebettet erzeugen statische Momente ein Wechselspiel mit drängender Bewegung, umgesetzt in pastosem Farbauftrag bis hin zu transparenter Lasur.

Ihre Serien können bis zu einhundert Arbeiten umfassen. Sie arbeitet dann gleichzeitig an mehreren Werken, so ergeben sich Bezüge zwischen den Arbeiten, ein Geflecht der Gefühle und Emotionen, eine thematische Fokussierung in Variationen von reduzierter Form und klarer Bildsprache. Mir erscheint der Ausstellungsraum wie ein ineinander verwobenes Netz introvertierter wie extrovertierter Gefühlsausbrüche. Alles, was Eva Kunze malt, richtet sich einerseits nach innen an die eigene individuelle Verfasstheit, an ein Unwohlsein, an dem wir leiden. Andererseits aber und gleichzeitig nach außen gerichtet, spüren wir die gesellschaftliche Einbindung, die wir uns negativ als Zwang und positiv als Zugehörigkeit vorstellen können. Solch eine Vielfalt an Gedanken, die Kunzes Werk erzeugen kann, da lohnt die ruhige Betrachtung jedes einzelnen Bildes. Wie bei jeder anderen ihrer Serien wird der Tag kommen, nichts Neues mehr auf die Leinwand zu bringen. Dann wird dieser im Jahr 2020 begonnene Werkabschnitt beendet sein und die achtsame Eva Kunze wird sich von einer neuen Thematik inspirieren lassen.

In dieser Ausstellung wird der Zusammenhalt auch erzeugt durch die Farben. Ein fast durchgängiges kräftiges Pink, ein intensives Magenta-Rot in Abstufungen bis ins Orange. Diese warmen Töne erfahren durch Blautöne wieder Abkühlung. Damit verhindert Eva Kunze, dass die Pink-Töne in den Kitsch des Barbie-Puppen-Rosa abstürzen, ihr Pink steht für die Träume von einer schöneren Welt und die Blautöne sind die Farben der Hoffnung.

Die Titel der Arbeiten geben dem Betrachter weitere Hinweise. Eva Kunze sagt, dass Kunst ohne Botschaft inhaltsleer ist. Kunst um der Kunst willen, das ist nicht ihr Ding. Sie versteht die Titel nicht als verbindliche Erklärung, eher als eine Art Fragezeichen an die Betrachter. Siehst Du das auch, was ich meine? Gibt es eine gemeinsame Grundstimmung in diesen Arbeiten? Ich glaube, dass Eva Kunze nach Antworten sucht. Keine sanfte Harmonie, das meint sie nicht, aber ein Gefühlsraum, in dem man sich gemeinsam ihren Bildern nähern kann. Eine Überlegung, wie die auseinanderfallende Welt wenigstens rudimentär Gemeinsamkeiten wiederfindet. Kunst sei das einzige Mittel, die Welt am Auseinanderbrechen zu hindern, sagte Picasso. Ein groß gedachter Anspruch, aber ich finde, hier in dieser kleinen Galerie kann Eva Kunze doch bei allem Pessimismus darauf hinweisen, dass nicht alles verloren ist und ihre Kunst schon als Auftrag zu verstehen ist, über die eigene Verfasstheit und die der Gesellschaft nachzudenken.

Sie gibt dennoch in ihren Arbeiten den Anspruch auf Schönheit und Ästhetik nicht auf. Die Farben leuchten, sie führen nicht in düstere Welten. Bei ihr schimmert immer eine kleine Fröhlichkeit durch, die man eigentlich nicht erwartet. Ja, kann man sagen, das Unglück kommt gerne freundlich daher, um nicht erkannt zu werden. Aber darum geht es Eva Kunze nicht. Sie erzeugt bis auf wenige Ausnahmen keine Ängste. Ihre Arbeiten, wenn die Botschaft ankommen soll, wollen lieber einladen zur Betrachtung, wollen inspirieren. Manchmal verdeutlichen Worte in den Bildern den Titel, erscheinen mir gleichzeitig aber auch als ausdrucksstarke Zeichen oder Symbole für die Gedanken, die Eva Kunze während der Arbeit an den Bildern hat. Oder als Markierung der Identität einer Arbeit, sozusagen der Abschluss des Arbeitens auf einer Leinwand, während auf anderen noch gemalt wird.

In manchen Arbeiten blickt man auf ein Portrait. Die frontale Ausrichtung der Gesichter zwingt förmlich, sich gegenseitig in die Augen zu blicken. Aber diese Augen im Bild bleiben in ihrer Reduzierung mehrdeutig. Sie erlauben dem Betrachter die Kommunikation mit dem Bild, reizen oder bedrohen ihn aber nicht. Der Blick in „Escape“ erscheint fragend, bleibt in „Thinking about the next step” im Ungewissen, äußerst sich zugänglich und verschlossen zugleich. „I can change my mind“ verstehe ich als eine emotional hoch aufgeladene Arbeit, hier scheint die unmittelbar sichtbare Bedrohlichkeit, von der man sich einfach nicht lösen kann, in Angst umzuschlagen. Es ist eine Arbeit, die mich an Maler der Gruppe „CoBrA“ erinnert, die nach dem 2. Weltkrieg Wut und ihre Hilflosigkeit in ihren Arbeiten herausgeschrien haben mit
fratzenhaften Wesen auf ihren Bildern. Karel Appel oder Asger Jorns in den 50er Jahren suchten mit kräftigem Kolorit und reduziertem Strich der Kunst eine neue
Richtung zu geben, die Welt nicht zu verherrlichen, sondern sich an ihr zu reiben. Sie waren die ersten nach dem Kriegsende, die in der Kunst klare Kante forderten und
von der Aufgabe sprachen, Kunst wieder mit gesellschaftspolitischen Botschaften auszustatten. So kommt es in Kunzes Werk zu Explosionen der Farbe wie der Gefühle, unmittelbar und authentisch.

Eva Kunzes Spiel mit der Realität, mit Träumen und Visionen kann aber auch in angenehmere Welten führen: in „Blissfull journey“ herrscht die Hoffnung auf glückselige Urlaubsreisen zu fernen Traumstränden. In „Lockdown Dreamescape“ markiert der Kokon die Eingeschlossenheit, aber daraus wird sich keine Phobie entwickeln. Der Kopf der Figur ragt über den Rand des Kokons, der Blick auf mögliche Fluchtwege bleibt frei.

1990 hatte Eva Kunze ihre erste Präsentation in einer renommierten Galerie. Gemalt hatte sie schon immer, aufmerksam wurde man früh auf sie. Wenn man ihren Werkkatalog betrachtet, so zeigt sich bei ihr ein immanent vorhandenes Bedürfnis sich zu äußern, ihre eigene Befindlichkeit in einen Kontext zur realen Welt einzuordnen und daraus resultierend, kritisch Stellung zu nehmen. „Escape From Reality“, das meint vielleicht die Erkenntnis, dass eine Flucht aus der Realität sehr schnell in eine andere Realität führen kann, die nicht besser sein muss als die, die man verlassen hat. Traum und Realität, in ihren Arbeiten sind es fließende Übergänge. Die muss man auch nicht als bedrohlich empfinden. Aber, so deute ich Kunzes Werk: es schadet nicht, wenn man die eigenen Standpunkte hinterfragt, um seinen eigenen festen Ort zu haben, in der Realität und ebenso jenseits davon, im Traum. Am Ende eben doch: Positives Denken!

So wie es in Eva Kunzes Bild heißt: „I can change my mind“!

Thomas Warndorf
Bad Waldsee, 21. Januar 2024

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